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Das volle Spektrum des Heinerkarnevals

Darmstädter Echo vom 31. Januar 20101

„Hokus Jokus“ : Erste Gemeinschaftssitzung der närrischen Darmstädter Vereine im Darmstadtium

 Am Samstag hat in Darmstadt ein neues Zeitalter begonnen. Unter dem Motto „Hokus Jokus“ trafen sich zum ersten Mal alle elf Darmstädter Karnevalsvereine zu einer Sitzung. Möglich machte dies das Kongresszentrum Darmstadtium, dessen Geschäftsführer Lars Wöhler den Sitzungspräsidenten gab.

Die Namen aller Aktiven vom „Bessler Spielmannszug“ - Auftritt kurz nach 18 Uhr - bis zu Jürgen Keinz um kurz nach eins würden locker diese Seite füllen. Das breite Spektrum Darmstädter Humors wurde von mehr als achthundert Gästen in bunter Kostümvielfalt bejubelt.

Der Heiner mault gern. Der Pro-tokoller Charly Landzettel ist einer von ihnen. Doch er liebt diese Stadt, in der im „Ratloshaus“ fieberhaft gearbeitet wird, die Denkmäler stets auf den falschen Plätzen stehen und Straßen wie die Schepp Allee oder der Holzweg schon immer so hießen, wie sie heute erst aussehen. Krisen habe es schließlich schon zu Großherzogs Zeiten gegeben. Dass die Heag-Holding über die HSE Großmutter der kinderlosen Entega geworden ist, findet er erfreulich, weiß jedoch: „Dem Heiner ist nix so lästig, wie wenn Menschen um ihn herum guter Laune sind.“

Christoph Wackerbarth vom „Karneval Verein Bessungen“ kann es nicht lassen, mit seiner „Komitee-Musik“ die Darmstädter Politiker durch den Kakao zu ziehen. Auch der Stimmenimitator Stefan Käck aus Okriftel trifft als Gast im Kurhotel auf allerlei Prominente aus Politik und Show-Business. Für Stimmung sorgt schließlich der Entertainer Julius Müller aus Köln. Geschickt hat er sich ein Repertoire aus den bekanntesten Schlagern der vergangenen dreißig Jahre zusammengestellt, bei denen das Auditorium fast unaufgefordert mitsingt.

Damit die Menschen an den langen Tischen Platz finden, hat man den Boden des Saals unten gelassen. Wer dadurch keinen direkten Blick auf die Bühne hat, kann das Geschehen über die beiden großen Leinwände verfolgen, die rechts und links angebracht sind.

Darüber hinaus ist an den Seite genug Platz, dass man auch einmal nach vorne gehen kann, um sich beispielsweise einen Gardetanz genauer anzusehen - und davon gibt es reichlich: Die Stadtgarde und die Tanzgarde von der TSG 1846 wirbeln ebenso kompetent über die Bühne wie Celina Herbert vom Arheilger Garde-Corps in einem Solotanz.

Einen unvergleichlichen Klangkörper hat der „Carneval Verein Ulk Erbach“ zusammengestellt: In der Art der „Guggemussigg“ steht hier vor allem der Spaß im Vordergrund. Auf Perfektion haben es hingegen die Marsch-Mellows vom „Tanzsport und Carneval Club Eiche“ mit ihren Trommeldarbietungen angelegt.

Geradezu professionelle Arbeit liefern am Samstagabend auch die tanzenden Mädels, beispielsweise als „Black Diamonds“ vom gleichen Verein oder als „Eberstädter Majoretten-Corps“ von der Sportvereinigung Eberstadt. Seit fünfzehn Jahren setzen „Futura 2006“ aus Wixhausen mit ihren A-cappella-Shows nicht nur im Norden Darmstadts Glanzpunkte im Karneval. Mit eigenen Texten auf populäre Lieder („Plunder gibt es immer wieder“) ernten sie frenetischen Applaus.

Mehr zum Kölner Karneval orientiert sich Stefan Krüger aus Bessungen (der von den „Helau-Sisters“) mit seiner neuen Formation „Colonia Express“. Wenn „Viva Colonia“ erklingt, springen die Zuschauer von den Stühlen, um mitzutanzen - schließlich ist allen klar: „Die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Durst.“

 
Viele Küsschen auf der Bühne

Darmstädter Echo vom 06. Dezember 2010

Fastnacht: Beim Ordensfest der SVE-Karnevalsabteilung werden nahezu alle Teilnehmer geehrt - Gassenhauer sorgen für Stimmung

Küsschen links, Küsschen rechts - manchmal gar ein Diener. Bis Hartmut Lankau, erster Vorsitzender der Karnevalabteilung der Sportvereinigung Eberstadt (SVE), an diesem Sonntagmorgen alle Damen durch hat, dauert es. Schließlich gilt es, beim Ordensfest am Waldsportplatz sämtlichen engagierten Narren für ihre Mitarbeit zu danken, ihnen das Ehrenzeichen der neuen Kampagne umzuhängen.

Ab 10.31 Uhr steht er mit der Präsidentin der Damensitzung, Nicole Schmidt, die sich zum Küssen die Männer vornimmt, auf der Bühne, um Aktive, Freunde der Abteilung sowie befreundete Vereine zu ehren. Karl Ernst am Klavier sorgt mit den passenden Gassenhauern für Stimmung. Er spielt sodann ein dreifaches »Ewwerscht Helau«, als eine Gruppe von 22 Aktiven vortritt, die gemeinsam den neuen Kampagne-Orden gespendet hat.

»Solch eine klasse Aktion hat es bislang noch nicht bei uns gegeben«, lobt Nicole Schmidt. Dann gesellt sich der Gestalter des Ordens, der 34 Jahre alte Timo Rick, dazu, der das Motiv erklärt: »Die Wüste lebt«, sagt er.

Es folgt der Einzug des Elferrats. Küsschen links, Küsschen rechts. Mit der Melodie von »Ritz am Bein« zieht die Gruppe auch schon wieder ab, woraufhin die Purzelgarde die Bühne erobert. Wie die Orgelpfeifen stehen die 15 Würmchen da, trampeln was das Zeug hält, schwingen Arme und Beine in die Luft.

Begeistert ist das laut klatschende Publikum auch von dem Majorettenkorps, das seine silberne Stäbe geschickt zwirbelt. Die 27 Jahre alte Christine Gimbel sagt, dass diese Drehungen sehr lange geübt werden müssten. Sie selbst gehöre dem Korps schon 21 Jahre an.

Geehrt werden die Leo Sandwich Dancers, die mit ihren Auftritten meist für eine »brennende Hütte« sorgen, wie Schmidt sagt. Auch das Tanzmariechen Lisa Rossmann kommt nach vorne, um vorgestellt zu werden. Dann werden vom geschäftsführenden Vorstand über Lokalpolitiker bis hin zu Korporationen aus Bessungen, Arheilgen, Messel, Ober-Ramstadt und Roßdorf für ihren Teamgeist gefeiert. Zur Feier des Tages sprechen der Landespräsident der Föderation europäischer Narren (FEN), Hermann Herdel, der mit Petra Kaiser Orden verleiht, sowie Manfred Kreis von der Interessengemeinschaft mittelrheinischer Karneval (IGMK).

»Hipphipphurra« brüllen die Leos, als Roland Rick den »Goldenen Watz« verliehen bekommt. »Der kleinste Briefträger von Ewwerscht«, ruft es durch den Saal, als der Lichtkegel auf den Geehrten fällt. Auch Nicole Schmidt ist ganz baff, als ihr von Hartmut Lankau die Ehrenpräsidentenkette umgehängt wird. »Diesen Programmpunkt kannte ich nicht«, sagt sie spontan.

 
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